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Groẞes Eszett ist für alle da!

19.11.2009 | 4 Kommentare

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2. 3. 4.

Jetzt müssen sich die Grafikdesigner aber ranhalten! Nun ist es endlich auch offiziell genormt da ― das große Eszett ―, und man kann es noch nicht (mal) sehen; so eine traurig aussehende Überschrift, nicht wahr? (Aber immerhin wird es vom System schon erkannt; wenn ihr das aus der Überschrift kopiert und bei Google eingebt, werdet ihr bestimmt überrascht sein ;) ).
Wozu denn?…werden sich einige Fragen, also:

  1. Um Namen wie WEIß, WEISS und WEISZ in korrekt geschriebenen Großbuchstaben voneinander unterscheiden zu können.
  2. Damit es in Programmen wie diesem hier keine komischen und unerklärlichen Lücken mehr gibt wie oben, wenn das Programm nämlich nur Großbuchstaben darstellen kann.
  3. Um endlich ein vollständiges Alphabet zu haben; ich kenne nämlich keine andere Sprache, die von irgendeinem ihrer Sonderbuchstaben nur eine kleine Version hätte! Vgl. Ç, ç; Ñ, ñ; Ö, ö; Ł, ł; Ã, ã; Ş, ş; Ú, ú; Ř, ř; ẞ, ß…

Aus dem Schatten in das Licht

Nach langem Schattendasein (s. Bild 2) und unendlichen Diskussionen wurde dieser neue Versal nun endlich offiziell, wie in Wikipedia exzellent erklärt wird: « Anfang 2008 wurde das große ß als neues Zeichen in den internationalen Standard Unicode für Computerzeichensätze aufgenommen, am 24. Juni 2008 trat die entsprechende Ergänzung der Norm ISO/IEC 10646 in Kraft».

Sehr, sehr viele haben es schon „im Bühnenlicht präsentiert“, indem sie z. B. darüber geschrieben haben:

Wie bekomme ich es denn auf meinen Rechner?

Ja, genau das ist nämlich die Schwierigkeit, aber nur den Mut nicht verlieren; ich hab’s auch geschafft (siehe Bild 4)! Und zwar so:

  1. Erst muss man sich die erweiterte deutsche Tastatur herunterladen. Das könnt ihr bei Kbdgrx machen. Dann habt ihr auch endlich die umgekehrt französische Anführungszeichen (»«), Sonderbuchstaben wie Ł und Ŭ (beide groß und klein natürlich…) und außerdem könnt ihr viele andere Sonderbuchstaben selbst zusammenbauen: ~ + n = ñ; ~ + a = ã; ¸ + c = ç, ¸ + s = ş; ´ + s = ś; ˇ + r = ř. Super, nicht wahr?
  2. Dann braucht man noch einen Schrifttyp, der das große Eszett enthält (es wurde nämlich noch nicht für alle entworfen, sondern erst für 10), z. B. Linux Libertine, den ihr euch hier herunterladen und dann in euren „fonts“ einfügen könnt.
  3. Wie man das große Eszett auf einem Mac installiert, kann man hier lesen.

Und der DUDEN?

Ja, was unser großes deutsches, gelb-schwarzes Wörterbuch dazu meint, könnt ihr hier lesen:

Das große Eszett

Das ß (Eszett) ist gerade durch seine Bescheidenheit einzigartig: Als einziger Buchstabe unseres Alphabets tritt es nicht als Großbuchstabe auf. Oder nur: „bisher nicht”? War denn nicht in den letzten Wochen in den Medien allüberall die Rede von einem neu entworfenen, großen Eszett? Was ist davon zu halten?

Da Großbuchstaben in der Regel nur am Anfang eines Wortes erscheinen, dort aber nie ein Eszett auftritt, braucht man normalerweise gar kein großes Eszett. Andererseits wird ja auch gelegentlich durchgehend in Großbuchstaben geschrieben. Was dann? Die offizielle Regelung sieht vor, dann ß durch SS wiederzugeben. Das führt zu den bekannten Deutungsschwierigkeiten bei Ausdrücken wie „DIE MASSE EINES MAGERSÜCHTIGEN MODELS” (Maße oder Masse?) oder bei Personennamen wie „BARBARA HEUSS” (Heuß oder Heuss?).
Um solche Missverständnisse zu vermeiden, ließ die frühere Regelung neben SS auch SZ zu (oft zu sehen in Architektenplänen: MASZSTAB 1 : 50). Da aber auch SZ keine Eindeutigkeit schafft (vgl. Keszler/Keßler), gilt die Darstellung durch SZ nicht mehr, es bleibt bei SS.

So ist die Forderung nach einem großen Eszett durchaus verständlich. Die internationale Organisation für Normung (ISO) hat nun – in den internationalen Zeichensätzen ISO-10646 und Unicode 5.1 – ein Zeichen für das große Eszett festgeschrieben: eine wichtige Neuerung, besonders für Buch- und Zeitungsverlage, aber eine, die nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung ist. Allerdings darf mündigen Bürgerinnen und Bürgern im Einzelfall getrost die Entscheidung überlassen werden, ob sie das große Eszett etwa für die Schreibung ihres Namens nutzen oder nicht.

„Allein: In der Handschrift sieht das große ß dem versalen B doch wieder zum Verwechseln ähnlich.“ (Zitat aus dem ersten Focus-Artikel). Das, was uns in diesem netten Video hier gezeigt wird, stimmt jedoch nicht mehr…

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