Ihr könnt euch ja gar nicht vorstellen, was für Gerüchte über unser Eszett umhergehen! Zum Beispiel:
- Das Eszett wurde durch die neue deutsche Rechtschreibung abgeschafft. Wer hat so was denn behauptet? Stimmt überhaupt nicht! Die neue deutsche Rechtschreibung hat lediglich seine Verwendung geregelt: nach kurzem Vokal steht Doppel-s (dass, muss, Masse, Busse), nach langem Vokal steht ß (Fuß, Maße, Buße). Auf diese Weise ist nun endlich eine Regel allgemein gültig geworden: Der Vokal, dem zwei Konsonanten folgen, ist kurz, und der, dem nur ein Konsonant folgt, ist lang. Nur in der Schweiz gibt es kein Eszett. Das stimmt und das erkläre ich hier.
- Wenn man mal gerade kein ß auf der Tastatur hat, oder keine Lust hat, eins zu schrieben, dann kann man auch Doppel-s schreiben. Nein, stimmt auch nicht. Wurde ja bereits geklärt: Nur nach kurzem Vokal steht Doppel-s. Eine Ausnahme ist -noch-, dass man Doppel-s schreibt, wenn ein Wort ganz in Großbuchstaben geschrieben wird, da das große Eszett bis letztes Jahr noch nicht existierte.
- Es gibt kein großes Eszett. Die Zeiten sind um, denn leztes Jahr jedoch wurde es endlich veröffentlicht: ein neuer deutscher Buchstabe (bzw. eine neue Variante), der aber leider noch keinen Platz auf der Tastatur gefunden hat:
. - Wenn man Lust hat, kann man das Eszett auch durch ein großes B oder durch das Beta ersetzen. So ein Quatsch. Falls man überhaupt keine Möglichkeit hat, ein Eszett zu benutzen, dann ist ein Doppel-s immer noch akzeptabler. Jedoch hat jemand mit einer deutschen Tastatur keine Ausrede; auch auf Mobiltelefonen ist es nun fast überall vorhanden!
- Viele Spanier nennen unser ß »das seltsame Beta«. Also, etwas seltsam mag es ja aussehen, genauso wie das ñ (ausgesprochen »änjä«, also wie »nj«) für uns, aber mit dem Beta hat es ja nun wirklich nichts zu tun. Da ist es noch akzeptabler, es »das seltsame s« zu nennen…
- Das Beta wird /b/ ausgesprochen. Nein, das stimmt schon lange nicht mehr. Eigentlich heißt es auch gar nicht mehr so, wenn man sich auf das heutige Griechisch bezieht. Heutzutage heißt dieser Buchstabe Vita (geschrieben βήτα, ΒΗΤΑ) und wird wie unser w ausgesprochen.
Alles klar?
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Alles klar!
Ich glaube, ich mag das große ß nicht.
Es ist doch immer wieder schön brillieren zu können, wenn jemand im Versalsatz (ein Wort in Großbuchstaben) ein ß reinmogelt (z.B. STRAßE), obwohl das ß dann zu einem SS wird (Straße = STRASSE).
Da kann man ja gar nicht mehr angeben.
Das stimmt… Dann muss man sich halt wieder andere Möglichkeiten zum Brillieren suchen, wie z. B. zwischen alter und neuer Rechtschreibung unterscheiden zu können; das können viele nämlich nicht.
Oder, das große ß erst mal schreiben zu können, dabei hapert’s bei mir nämlich noch (wie wahrscheinlich bei jedem, der sich an einen neuen Großbuchstaben in seinem jahrzehntelang automatisch geschriebenen Alphabet gewöhnen muss)…