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Übungen, Grammatik, Deutsch

Deutsch SPRECHEN

10.01.2009 | 1 Kommentar

Alltagsdeutsch

Habt ihr schon mal gemerkt, wie sich das Deutsch, das ihr sprecht, von dem unterscheidet, das ihr schreibt? Viele Leute sind sich dessen gar nicht bewusst, besonders wenn sie behaupten „Standarddeutsch“ (was von den meisten mit „Hochdeutsch“ verwechselt wird) zu sprechen. Dies erschwert es natürlich dem Deutsch Lernenden, das gesprochene Deutsch zu verstehen. Das Problem des Deutschunterrichts ist es nämlich, dass man natürlich ein „bestimmtes Deutsch“ unterrichten muss, und zwar das, das von den meisten verstanden wird. Deshalb wird das Standarddeutsche für diesen Zweck verwendet. Und viele Deutsche, besonders Nordwestdeutsche meinen, dies zu sprechen. Wenn man dann aber einmal das Standard damit vergleicht, was die Leute wirklich sagen, kann das schon etwas überraschend sein, wie anhand des folgendes Beispiel (Konjugations des Verbs haben) veranschaulicht werden soll:

  1. ich habe        →   hab (ich)
  2. du hast          →   hast(e)
  3. er/sie/es hat  →   hatta/hat se/hat’s
  4. wir haben      →   ham wa
  5. ihr habt         →   habt a
  6. sie haben      →   ham se

Was ist da passiert? Worum geht es da? Im Folgenden werden ein paar Regeln gezeigt, die die Deutsch Lernenden lernen müssen, was jedoch hinterher gesagt wird, ist etwas Anderes.

1. Im Deutschen müssen stets die Personalpronomen mit gesagt werden.

Aber mal im Ernst, wie oft sagen und hören wir Folgendes:

  • „Hab kein’ Bock“ statt „ich habe keinen Bock“, oder auch
  • „(da) hab ich kein’ Bock drauf“ statt „darauf habe ich keinen Bock“;
  • „bin grad angekomm’n“ statt „ich bin gerade angekommen“.

2. Im Aussage-Hauptsatz ist das konjugierte Verb normalerweise an zweiter Stelle.

Die folgenden Beispiele beweisen, dass dies oftmals jedoch nicht der Fall ist:

  • Gesprochenes Deutsch: Koch grad’n Ei. Willste auch eins? (Frage) ― Nee, hab schon zu Haus was gegessen. Wollt auch eigentlich eh nich’ mehr so viel ess’n.
  • Standarddeutsch: Ich koche gerade ein Ei. Willst du auch ein(e)s? ― Nein, ich habe zu Hause schon etwas gegessen. Ich wollte sowieso nicht mehr so viel essen.

Erklärung: In ihrer Tiefenstruktur ist das Verb tatsächlich in zweiter Position, da der Sprecher „eigentlich“ das entsprechende Personalpronomen (ich, du usw.), das Pronomen „da“ oder das Demonstrativpronomen „das“ dahindenkt:

  • Will ich nich’! = Das will nicht!
  • Hab ich kein’ Bock drauf. = Da habe ich keinen Bock drauf.
  • Muss noch mein Zimmer aufräumen. = Ich muss noch… 

Ein letztes Beispiel: die Präpositionalpronomen bzw. -adverbien.

3. Sie werden folgendermaßen gebildet: Pronomen „da“ (oder „hier“) + Präposition (z. B. davon, dadurch, damit etc.). Wenn die Präposition mit einem Vokal beginnt, wird zwischen „da“ und die Präposition ein „r“ eingegfügt (z. B. daran).

Sprachliche Tatsache: Diese Wörtchen werden nur selten in ihrer „grammatikalisch korrekten“ Form gesagt (woher, wohin, davon, damit, darauf), sonder viel öfter auseinander genommen, wie man anhand der folgenden Alltagsbeispiele gut nachprüfen kann:

  • Wo kommst du denn her?
  • Da wusst ich gar nix von.
  • Leg das doch mal da drauf.
  • Da kann ich aber auch gar nix mit anfangen!
  • Ach, das ist das, wo du mir von erzählt hattest?

Ich hoffe, diese kurze Wiederholung der deutschen Standardgrammatik hat geholfen, ein paar Aspekte der Standardsprache wieder aufzufrischen, und damit ihr seht, wessen man sich selber oftmals nicht bewusst ist…

Fotoquelle: http://www2.dw-world.de/image/spezial-43314.jpg

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